Kamminke und die JBS
Soooo. Nachdem ich nun seit fast 3 Wochen auch wieder in der Zivilisation mit DSL angekommen bin, nutze ich hier mal die Gelegenheit, einige Bilder hochzuladen. Es lebe das Internet-Zeitalter. Wem die Fotos zu klein sind, der möge bitte einmal draufklicken. :D
Anfangen möchte ich mit meiner Arbeitsstelle, der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm, in der ich ein Jahr lang – von August 2010 bis Juli 2011 – beschäftigt sein werde. Und in der ich schon die ersten 4 Monate absolviert habe. Ein Drittel meines Jahres. Irgendwie… unheimlich…
Die JBS, von Kamminke aus. Nur über einen Feldweg erreichbar, wie man sieht; die Dorfstraße verläuft in einem großen Bogen drumherum. Aber wir sind optimistisch, dass unsere Zufahrt bald zu einer asphaltierten Allee geadelt wird. Mit Sicherheit. Irgendwann. Sobald der Autobahnanschluss durch Garz erst hergestellt wurde. :D (Die Bäume sind schon da. Für die Allee, mein ich…) Zu sehen ist übrigens das Hauptgebäude (Haus Wollin), der Parkplatz und der gelbe Wohnturm, der auch irgendeinen Namen hat. Öhm, der gelbe Turm halt. *hust*
Die Begegnungsstätte ist eine Einrichtung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK, als alter Geschichts-LKler unter Frau Müller-Prunsche kürz ich immer noch lieber alles ab. ;) ) Sinn und Zweck des Ganzen ist, dass junge Menschen aus verschiedenen Ländern hierhin kommen, sich kennen lernen, (Spaß haben ^^) und sich – in diesem Fall vor dem Hintergrund der Kriegsgräberstätte Golm – mit der europäischen Geschichte beschäftigen. “Versöhnung über den Gräbern” lautet auch das Motto des VDK. :)
Die Fahne mit dem Logo des VDK.
Hier eine kleine Übersicht, geschickt abfotografiert von der Tafel unten. Kleine Legende: (1) Haus Wollin, (2) Gelber Wohnturm, (3) Blauer Wohnturm, (4) Roter Wohnturm, (5) Haus Pomerania, (6) Haus Usedom.
Die Wohntürme sind natürlich für unsere Gäste, das Pomerania und die (6), allgemein eher als “Alte Schule” bezeichnet, beinhalten Seminarräume. Oh, und in der Alten Schule wohnen natürlich noch wir Freiwilligen, oben im 1. Stock. Ein unschätzbarer Vorteil, den diese Stelle bietet. :) Die rechteckigen Flächen um das Hauptgebäude herum sind übrigns der Fußball-, Volleyball- und Basketballplatz und die Tischtennisplatten. Zusammen mit dem Kicker können unsere Gäste also wahrlich nicht über mangelnde Freizeitmöglichkeiten klagen. (Was aber von Nöten ist, da Kamminke selber sonst außer einem kleinen Stückchen Strand nicht viel zu bieten hat.)
Blick über das Volleyballfeld in Richtung Hauptgebäude. Links ein Stückchen vom gelben Turm.
Etwas weiter unten, der rote und blaue Turm. Und – ganz vergessen – ein großes Schachspiel haben wir auch noch. Im Vordergrund da. ;) (Wähh, da fing das gerade mit dem Laub an. Auf der ganzen Anlage stehen jede Menge Bäume. Ergo gab es auch jeeeede Menge Laub zu harken. ;p)
Das ist der Weg an den drei Wohntürmen vorbei zur Alten Schule. Das Fenster oben rechts ist meins. :D
Und das ist die Alte Schule von hinten. Da war noch gutes Wetter, da machte Usedom seinem Namen als Sonneninsel noch alle Ehre. So sah es im November leider nicht mehr aus.
Rechts sieht man eine unserer pädagogischen Mitarbeiterinnen mit einer Schulklasse. Die Schüler machen wahrscheinlich gerade beim Golmmodul mit, d.h. sie haben eben eine kleine PowerPoint-Präsentation gesehen, in der sie über die Geschichte des Golms aufgeklärt werden, und werden nun im Anschluss daran auf den Golm gehen, die Kriegsgräberstätte nebenan…
Et voilà.
Der Golm als Kriegsgräberstätte stammt erst aus dem 2. Weltkrieg. Vorher befand sich hier eine Gaststätte und ein Aussichtspunkt, zu dem gerne Schul- und Sonntagsausflüge unternommen wurden. Im Oktober 1944 wurden hier die ersten Gräber angelegt, als man merkte, dass die Anzahl der Kriegsgefallenen die Kapazitäten des Neuen Friedhofs in Swinemünde überstiegen. Das Besondere an dieser Kriegsgräberstätte sind allerdings nicht die Soldatengräber, sondern die vielen zivilen Opfer, die hier beigesetzt worden sind. Das liegt daran, dass Swinemünde einerseits ein wichtiger Knotenpunkt für die Flüchtlinge aus Hinterpommern war, die der Front zu entkommen versuchten, und andererseits neben Kiel den einzigen funktionstüchtigen Tiefseehafen Ende des Krieges bot (und damit auch für die Marine ein wichtiger Stützpunkt war). Als daher die Amerikaner am 12. März 1945 einen Luftangriff auf die Stadt flogen, war Swinemünde völlig überfüllt mit Flüchtlingstrecks, die den Bomben auf offener Straße ausgesetzt waren.
Soviel in aller Kürze zu der Geschichte des Golms. Wer mehr wissen möchte, muss mich schon besuchen kommen. [Werbepause] Am besten ihr bringt gleich noch eine große Reisegruppe mit und bleibt für ein paar Nächte. Oder ihr kauft unser neues Buch “Der Golm und die Tragödie von Swinemünde”. Gibt es sogar bei Amazon. :D [/Werbepause]
Auf dem Foto ist übrigens ein Teil von Grabfeld IV zu sehen, das Massengrab mit jenen zivilen Opfern, die damals nicht indentifiziert werden konnten. Mittlerweile haben wir auch von denen einige Namen rausfinden können.
Das kleinere Grabfeld III mit den identifizierten zivilen Opfern.
Grabfeld IV und der Rundbau aus DDR-Zeiten. Da der Staat letztendlich die Verantwortung für den Golm übernahm, veranlasste er ab Anfang der 70er den Bau dieses Mahnmals für die Opfer des Faschismus. Wie gesagt, wer mehr wissen möchte… ;)
Die Frierende, ebenfalls aus sozialistischer Zeit. Der Künstler Rudolf Leptien hat sich hierbei von dem Leid der Flüchtlingsfrauen inspirieren lassen. Heute finden dort in der Regel die Kranzniederlegungen statt.
Naja, oder wir versammeln uns dort mit den Schulklassen, um die Ergebnisse zusammenzutragen. Nach der PPP in der Alten Schule ist es nämlich die Aufgabe der Schüler, die Kriegsgräberstätte erstmal auf eigene Faust zu erkunden. Dabei kriegen sie eine Karte zur Orientierung und einen Fragebogen in die Hand, der sie an die Anlage heranführen soll. Welchen Eindruck macht die Kriegsgräberstätte auf euch, wie habt ihr sie euch vorgestellt usw. ;) Im Anschluss daran erarbeiten die Schüler meist noch in Gruppen ausgesuchte Einzelschicksale von Personen, die den Bombenangriff am 12. März überlebt haben (oder nicht) und stellen sie der Klasse vor.
Diesen Teil, also das Auswerten der Ergebnisse und das Moderieren der Einzelschicksale, dürfen auch wir Freiwilligen mal übernehmen. Eigentlich der Hauptgrund, warum ich dorthin wollte. Durch die Jugendarbeit wollte ich eben herausfinden, ob ein Studium auf Lehramt etwas für mich wäre. Inzwischen kann ich wohl sagen, dass das eine Jahr sicherlich interessant war und sein wird und mir die Arbeit mit den Schülern auch Spaß gemacht hat bislang, aber auf Dauer… Nää, dafür bin ich bei einigen Schulklassen dann doch ganz froh, wenn ich sie nach einer Woche wieder los bin. Leider kann man noch nicht mal sagen, dass Gymnasialklassen pflegeleichter sind als Hauptschulklassen, schwarze Schafe gibt es überall. :/
Zum Glück gibt es ja noch die Erwachsenenführungen, von denen ich auch schon zwei übernehmen durfte und die mir deutlich lieber sind. Da kann ich ungestört etwas über die Geschichte dieses Ortes erzählen, muss das zwar auch interessant und anschaulich gestalten, aber brauche mich nicht die ganze Zeit zu fragen, ob das gerade noch pädagogisch wertvoll und spannend genug ist.
Der Blick vom Aussichtspunkt aus nach Swinemünde. Beziehungsweise Swinoujscie, wie die Stadt nun heißt. Kamminke liegt nämlich unmittelbar an der heutigen polnischen Grenze. ;)
Im übrigen ein weiterer Programmpunkt bei uns: Ein Tagesausflug rüber nach Polen, meist mit dem Fahrrad, auf Wunsch aber auch per Bus oder Schiff. Die Schüler kriegen in dem Fall zuvor einen Mini-Sprachkurs in Polnisch, damit sie später bestens gewappnet sind, wenn wir sie auf eine Stadtrallye durch Swinemünde schicken. Oder sie treffen dort in der Stadt eine der polnischen Schulklassen, mit denen wir kooperieren, und tauschen sich mit denen aus.
Ein tolles Foto, oder? Alle lachen, nur die Schüler nicht. So muss das sein. :D (Im Hintergrund sieht man gerade, wie ich unserem Hausmeister zusammen die Fahrräder ausleihe…)
Hier noch ein Foto von Kamminke. Fotografiert am Haff. (Wiki sagt: “Ein Haff ist eine [...] durch vorgelagerte Inseln vom tieferen Hauptteil des Meeres getrennter Brackwasserbereich”. Toll, so hätte ich das nicht erklären können. ;p) Kamminke ist nämlich ein altes Fischerdörfchen. :)
Noch mehr Haff. :)
Und die JBS noch einmal, als Abschluss unseres kleinen, virtuellen Rundgangs. Diesmal von Dorf unten aus.
P.S. Frohe Weihnachten und so übrigens. ^^ Die nächsten 4 Tage werde ich voraussichtlich jeden Tag einen neuen Artikel veröffentlichen. :)

















Dezember 24, 2010 um 9:28 pm
Jaja, Bilder ohne Copyrightangabe… “Die Frierende” kam mir doch sehr bekannt vor. Habe es verglichen und komischweise sind die Schatten auf meinem und auf deinem Bild exakt gleich. Faszinierend!
Dezember 25, 2010 um 12:43 pm
Entschuldige vielmals. ;p
Fühl dich lieber geehrt, dass ich deine Aufnahme genommen habe. Die war so schön sonnig. *smirk*