Archiv für Mai, 2009

Twinings vs. Teehaus Lippe

Veröffentlicht in Real Life am Mai 11, 2009 von nuemsche

JA!!

… schrie mich heute ein Ulli-Stein-Briefumschlag an, als ich den Briefkasten aufmachte. Jaha, ich hab es nämlich größenwahnsinnig wie ich bin gewagt, Naz in Sachen Schwarztee zu widersprechen und die Einzigartigkeit von Twinings zu leugnen.

… Gut, eigentlich nicht. Indirekt höchstens. Trotzdem hab ich zur Strafe einen gar großartigen Brief mit herzallerliebstem Mini-Doodle und Twinings-Teebeutel bekommen. Thihi. Darum folgt jetzt quasi eine Art Blog-Revival mit einer illustrierten Tee-Review. Without any kind of pressure, versteht sich. Hier also der ultimative Test: Twinings versus Teehaus Lippe. Vorweg: Das Teehaus hatte vor etwa zwei Monaten mal einen Stand auf einem verfrühten Ostermarkt in Bielefeld. Natürlich nur theoretisch, weil Bielefeld praktisch ja gar nicht existiert, ne? Auf jeden Fall hab ich mir eingebildet, dass dort auf diesem Markt zu meiner großen Freude – Ich wurde da eigentlich nur mitgeschleift – auch ein großer Stand mit Dutzenden von Schwarz-, Grün- und (Eeks!) Früchtetees vertreten war. Prompt hatte das Nümsche also eine Beschäftigungsmöglichkeit gefunden und schlürfte sich durch den Bestand an Kostproben, während der Rest der Sippe gestickte und gemalte Osterhasen bewunderte. Am Ende hab ich dann auch gleich eine Tüte „English Mint“ mitgenommen, Schwarztee mit Nana-Minze und Schokoraspeln. Sehr empfehlenswert. Kurzum: Mittlerweile hab ich da auch schon einmal bestellt und hab neben dem gewünschten Schwarztee auch gleich noch ein paar Probepäckchen bekommen. Shiny. Photobucket

Kommen wir nun zum Versuchsaufbau. Benötigt wurden: 1 Wasserkocher, 1 Tasse (Nichts gegen die am Wiehen. Ein bisschen Lokalpatriotismus darf sein. Die richtigen Teetassen waren in der Spülmaschine…), 1 Schuss Zitronensaft, 1 Beutel Twinings of London™, ein Konkurrenzprodukt zum Vergleichen (Ich hab das Teehaus Lippe ausgewählt, weil die nicht so schlecht waren. Außerdem hatte ich dadurch was zu erzählen.) und eine Stoppuhr.

Earl Grey (1)

Der Geruchstest hat leider herzlich wenig ergeben, weil ich momentan etwas erkältet bin. Mehr als das Bergamotte hab ich da deshalb nicht rausriechen können, zumal die Earl-Grey-Probe vom Teehaus Lippe zusammen mit einer Probe fruchtig-riechendem Gute-Laune-Grüntee ankam. Dass Twinings da etwas herber roch, ist klar. Vom Aussehen her sympathisiere ich ja mehr mit losem Tee. Kann man mehrmals aufbrühen mit einem Teekocher und sieht einfach viel stylischer aus. Ein Vergleich gefälligst?

Earl Grey (2)

gegen

Earl Grey (3)

(Wobei Beutel in der Tat bequemer sind, das geb ich ja zu. Das ewige Saubermachen des Filters kann schon nerven. *seufz*)

Hilfe bekam ich von meinem Schatten meiner wertvollen Assistentin Rocky P., die leider etwas pressescheu ist und deshalb auch von der Fotodokumentation nichts hielt. Interessant war es trotzdem, was dat Nümsche da auf dem kleinen Tischchen zur allgemeinen Belustigung ihrer Majestät aufgebaut hat. Und das roch…! Ich weiß nicht, ob es am verlockenden Duft des Earls Greys oder doch eher an der magischen Anziehungskraft eines Tütchens auf Katzen lag, dass Rocky prompt den Kopf reinstecken musste.

Earl Grey (4)

Nun denn. Das Experiment beginnt. Auf der Packung steht, man solle den Tee 2-5 Minuten ziehen lassen. Nichts da mit „Brew for 3 to 5 minutes“.  Ich hab mich dann für den Mittelwert entschieden und den Beutel 3,5 Minuten im Wasser gelassen. Schon in der ersten Minute zeichnete sich eine deutliche Färbung ab, die sich nach 2 Minuten klar manifestiert hatte.

Earl Grey (5)

Earl Grey (6)

Die Macke da rechts kommt übrigens von vorletztem Samstag, als ich auf der Konfirmation meiner Cousine zu viel Schwarztee gesoffen hatte und dann mit zittrigen Händen Krocket spielen wollte. Dabei ist mir natürlich gleich das Handy aus der Hemdtasche und auf die Krocketkugel gefallen. Ungut.

Das fertige Produkt:

Earl Grey (7)

Hach. Wenn das nicht appetitlich aussieht…

Dann passierte die erste kleine Panne: Beim Ausdrücken des Beutels platze mir das Reservoir. Nichts da mit nochmal verwenden. Meh. Und wieder: Da lob ich mir losen Tee.

Earl Grey (8)

Nun stellte sich mir die große Frage: Milch? Zucker? Zitrone? Milch trink ich immer morgens zu meinem Schwarztee, zu langweilig also. Zucker? Das wär stillos, zumindest für so ein Experiment. Zitrone musste also her. Das Problem war nur: Wie viel? Ein Schuss oder doch lieber den Teelöffel voll? Frei nach dem Motto „Viel hilft viel“ hab ich mich einfach mal für letzteres entschieden.

Earl Grey (9)

Einmal umgerührt und dann -

Die große Überraschung, es schmeckte nach…

Earl Grey (10)

Zitrone!

Tja. Mehr aber auch eigentlich nicht. Bergamotte und Zitrone. Scheiß Schnupfen. Also musste doch ein Löffelchen Zucker her (Ich reih mich also auch ein in die Gruppe der Kulturbanausen ein. Tröst dich, Naz.) und siehe da…

Earl Grey (11)

Ich schmeckte… Einen herben Geschmack, der den Gaumen liebkosend und ihn umgarnend im nächsten Moment frech aussaugt mit seiner burschikosen Säure. Oder ist das doch eher die Zitrone?  Blümerant, aber auf eine sehr erdige, ehrliche Art. Alte Holzkisten im Bauche englischer Kolonialwarenhändlerschiffe. Mehr noch… Der Geschmack wie von einer alten Eiche, die vom Sturm gepeitscht von sieben keltischen Druiden nackt umtanzt wird. Mei, was die Sonne in den letzten Tagen dieser Teeplanze noch alles mitgegeben hat… Ein sehr leckerer Tee, der korrekt ins Holz nagelt. Ich möcht nicht sagen, dass er sehr viel besser schmeckt als der aus dem Teehaus. Doch, eigentlich schon. Ich mag den anderen auch, er schmeckt nur vielleicht nicht so edel wie der Twinings. Anders, aber auch nicht schlecht. Trotzdem auf eine paradoxe Art und Weise keine Konkurrenz…

(Wer Anspielungen auf Walter Moers und Dr. Eckart von Hirschhausen findet, darf sie gerne behalten.)

In diesem Sinne: Cheers!

Earl Grey (12)

Ach – Und vielen Dank für diesen großartigen Brief, Nazspatz. Du bist knuffig.
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