W. Moers – Rumo & Die Wunder im Dunkeln
So, hier kommt Buchrezension Numero 2, dieses Mal kein Historienroman, sondern das, was ich am meisten lese: Fantasy. Eigentlich hab ich Walter Moers ja lange Zeit gemieden, weil ich ihn eher für einen Kinderbuchautoren gehalten habe. Ich Unwissender! Gut, ich kannte bis vor “kurzem” auch nur Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär und die auch nur namentlich. Bis ich dann irgendwann auf Adolf gestoßen bin. ![]()
Tja. Und jetzt hab ich innerhalb von zwei Monaten zuerst Die Stadt der Träumenden Bücher und dann Rumo gelesen.

Thii. Wobei ich sagen muss, dass Die Stadt der Träumenden Bücher mir minimal besser gefallen hat. Da war die Geschichte noch etwas geradliniger, während bei Rumo ja eher einige Stationen seines Lebens abgeklappert werden. Und Rumo hat natürlich den Nachteil, nicht über Bücher zu handeln. Trotzdem hat es mir gut gefallen. Darum kriegt es ja auch einen eigenen Blogeintrag, ne? ![]()
Eines Morgens wittert der kleine Rumo, der wie jeder Wolpertinger bei geschlossenen Augen mit der Nase sehen kann, den silbernen Faden, der das Glück verheißt. Doch bis dahin gilt es unvorstellbaren Gefahren zu trotzen: Rumo kämpft gegen bestialische Zyklopen, befreit seinen Lehrmeister Smeik von der Teufelsinsel, schlägt sich mit tumben Blutschinken, begegnet einem genialen Schüler von Professor Dr. Abdul Nachtigaller und gelangt schließlich in das idyllische Wolperting, wo er schließlich den Ursprung des silbernen Fadens findet …
Rumo – der Wolpertinger aus Walter Moers’ Bestseller »Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär« – macht sich selbständig und geht seinen Weg: Wie er kämpfen und lieben lernt, Feinde besiegt, Freunde gewinnt und das Böse kennenlernt und wie er schließlich auszieht, um das größte Abenteuer seines Lebens zu bestehen, davon erzählt das bislang spannendste, ergreifendste und komischste Werk von Walter Moers.
»Es gibt Wunder, die müssen im Dunkeln geschehen.« Professor Doktor Abdul Nachtigaller
Was ich an den Zamonienromanen, zumindest den beiden, die ich momentan kenne, immer noch am besten finde, ist die Gestaltung der Seiten. Dass Löwenzahn und Grinzold, Rumos schizophrenes Schwert, eine eigene Schriftart haben, dass Geflüstertes kleiner und Gebrülltes groß geschrieben wird, dass der Rahmen der Geschichte das Schubladenorakel bildet, das dann in der Geschichte selbst nochmal auftaucht und natürlich die ganzen Zeichnungen mitten im Buch – Allein dadurch ist das Buch schon lesenswert, finde ich. Abgesehen davon ist Moers’ Schreibstil natürlich auch toll. Die ganzen Anspielungen und Wortspiele wie zum Beispiel Fort Una, die Stadt des Glücksspiels, oder Yggdra Sil im Nurnenwald. Schön fand ich auch die Verweise auf seine anderen Romane, wenn Doktor Kolibril vorm Schlafen zur Entspannung etwas von Hildegard von Mythenmetz liest etc. Lustig war es also auf alle Fälle und spannend fand ich es auch. Während der erste Teil ja noch recht knuffig war, hatte ich im zweiten Teil, in Untenwelt, manchmal leichte Probleme mit dem Lesen aufzuhören. Gerade ab da, wo Rumo versucht, die anderen Wolpertinger aus Hel zu befreien, musste ich immer notgedrungen bis zum Ende des, teilweise recht langen, Kapitels lesen, bevor ich das Buch zuklappen konnte. Das passiert mir auch eher selten. ![]()
Meine Lieblingsfigur war übrigens nicht Rumo, der zwar einerseits herrlich ignorant sein konnte, mir aber auch stellenweise zu weltfremd war, sondern Storr der Schnitter und seine Untoten Yetis. Als ich zum ersten Mal das Bild von ihm gesehen habe (ganz links auf dem Cover oben) fühlte ich mich unweigerlich an TOD erinnert. Wenn ich zitieren dürfte:
“Du hast gesagt, du bringst uns in ein Theater”, grunzte Storr der Schnitter, der zusammen mit Ribesehl und dem Bürgermeister von Wolperting die kleine Armee anführte. “Und jetzt waten wir durch eine Kloake.” “‘Kommt, wir gehen nach Hel!’ hat Storr gesagt”, rief einer der Yetis hinter ihnen. “Wieder mal eine von deinen tollen Ideen!” Die übrigen Yetis lachten dreckig. “Sie meinen es nicht so”, brummte Storr. “In Wirklichkeit ist es für sie ein Mordsspaß.”
… und …
Storr der Schnitter stürzte sich wieder in die Schlacht. Er stieß einem der Kupfernen Kerle den stählernen Stiel seiner Sense vor die Brust, so kraftvoll, dass der rückwärts über die Brüstung ins Theater stürzte. “Kämpft, Männer! Kämpft!” brüllte er. “Halt die Klappe, Storr!” rief einer von ihnen zurück. “Was denkst du denn, was wir hier machen?”
Chrchrchr… ![]()
Und natürlich musste er sterben. Wie nahezu jeder zwiespältige Charakter, den ich mag. ![]()
Das einzige, was mich etwas gestört hat, war Gaunabs Sprachfehler. Auch wenn er sonst mit seiner kindisch-blöden Art herrlich wahnsinnig und unsympathisch wirkte, war mir das doch zu strukturiert; dafür, dass er angeblich die Silben ständig menkomvoll deraneindurch bringt. Gut, wären die komplett gewürfelt gewesen, hätte Friftar wahrscheinlich noch mehr zu übersetzen gehabt. Aber das sind Kleinigkeiten. Bei der Beziehung zwischen Rala und Rumo dachte ich ja zwischenzeitlich auch, dass es Moers sich doch etwas zu einfach macht, wenn er ganz lapidar sagt, sie hätte sich ebenfalls auf den ersten Blick in ihn verliebt. Aber das wird dann ja später durch Rumos Ungeschick zum Glück wieder kompensiert. Ein Kinderbuch ist es auf jeden Fall nicht, dafür sind einige Passagen ja doch etwas brutal. Was ich aber in Ordnung fand. ![]()
Insgesamt würde ich sagen, ein sehr empfehlenswertes Buch, dem ich 8 von 10 Fallenstädte vergebe. Ich denke, als nächstes werde ich mich zuerst Käpt’n Blaubär und dann dem Schrecksenmeister zuwenden. Oh, und ich muss mir auf alle Fälle Die Stadt der Träumenden Bücher und Rumo noch selber zulegen, die waren ja bisher nur ausgeliehen. ![]()
EDIT: Yay!
Juni 15, 2008 um 11:36
>> Wobei ich sagen muss, dass Die Stadt der Träumenden Bücher mir minimal besser gefallen hat.
:nick:
Aber Grinzold und Löwenzahn sind so viel Liebe. Hach. Dieses Blutlied, oder wie es hieß … *gacker*
Und den Schrecksenmeister muss ich ja auch noch lesen. Hm. Ich geh heute eine kleine Katze ansqueen, und da, wo’s die Katze gibt, gibt’s auch das Buch. Könnte ich mir eigentlich ausleihen.
Juni 15, 2008 um 7:43
Blut, Blut! Blut, das muss spritzen meterweit!
Besonders Grinzold. “‘Der Hase!’ rief Grinzold. ‘Er provoziert uns! Wir müssen ihn töten!’” Thihi. *grin*
Woher weißt du so genau, was andere Leute im Regal stehen haben? *ugly*
Juni 15, 2008 um 9:18
Ich weiß das, weil mir diese Mitschülerin auch die dreizehneinhalb Leben und Ensel & Krete ausgeliehen hat.